Der Verkehr muss raus aus Uedem____ Die Interessengemeinschaft der Gustav-Adolf-Straße

Worum es geht

Die verkehrstechnische Infrastruktur am Niederrhein weist mit den beiden Bundesautobahnen A3 und A57 und der dazwischen liegenden B57 ein gut ausgebautes Straßennetz auf. Leider verlaufen diese drei Hauptverkehrsadern parallel zum Rhein und somit ist die Ost-West Achse stark unterentwickelt. In der Folge werden alle kleinen Ortschaften durch den Querverkehr zwischen den Autobahnen A3 und A57 sowie überregional zwischen dem niederländischen Raum und dem Münsterland stark belastet.

Eine neue, nördlich geplante Ortsumgehung für Uedem (L5n) wurde aufgrund fehlender Landesmittel ausgesetzt, der Ausbau der Ost-West-Trasse B67 als B67n südlich von Uedem soll dagegen ab ca. 2017 begonnen werden (Stand Dezember 2012).

Ein Blick auf die Karte verdeutlicht die Problematik. Ein großer Teil des Durchgangsverkehrs nutzt, von der A57 kommend, die Abfahrt Uedem, folgt ein kurzes Stück der Boxteler Bahn, um dann über die L5 (Bahnhofstraße, Gustav-Adolf-Straße, Am Kirchenhecken) in Richtung Marienbaum und weiter bis zur B67 bei Kehrum zu gelangen. Dort führt die ausgebaute Bundesstraße dann bis zur Auffahrt Rees (A3) oder wahlweise weiter nach Osten bis ins Münsterland. Umgekehrt nutzt der überregionale Verkehr die gleiche Strecke von Rees kommend, um auf die A57 zu gelangen oder über Weeze zur B9 zu gelangen und schließlich auch das niederländische Grenzgebiet zu erreichen.

Ein Teil des PKW-Verkehrs nutzt zudem den direkten Weg über die L362 durch den Stadtkern Uedems (Keppelner Straße, Viehstraße, Lohstraße, Kervenheimer Straße) und belastet auch dort die Anwohner.

Die manuelle Verkehrszählung des Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MBWSV) wies in Uedem für das Jahr 2005 eine Verkehrsdichte von 5568 (Umgehungstraße L5) bzw. 5045 (Ortskern L362) Fahrzeugen aus. Für das Jahr 2010 ergab die Zählung des Durchgangsverkehrs eine Steigerung auf 6115 (Umgehungsstraße L5) zugunsten der L362 mit 4248 Fahrzeugen.

Als in den 1990ern der Weiterbau der B67 zwischen Kalkar/Kehrum und Uedem/A57 als B67n erneut aufgegriffen wurde, bildete sich im folgenden Jahr die Bürgerinitiative "Lebenswertes Uedem" (LWU), die sich seither unter der Führung von Siegwart Graf zu Eulenburg und Hertefeld als Sprachrohr der Bürgerinnen und Bürger von Uedem versteht und sich klar gegen den Bau der B67n positioniert hat.

Auch durch den über die LWU und der örtlichen SPD aufgebauten Druck stimmte der Uedemer Rat am 18. Dezember 2000 im Gegensatz zu den umliegenden, betroffenen Städten gegen die B67n und für eine L5n als Umgehungsstraße. Damit wurde bis zur Aufhebung dieses Ratsbeschlusses am 19. November 2009 die B67n für 9 Jahre praktisch auf Eis gelegt.

Am 24. Februar 2011 wurde der Verwaltung der Stadt Uedem durch das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V. das Projekt "Naturschutz und Kulturgeschichte gemeinsam erleben und entwickeln" vorgestellt, das sich auf Uedemerbruch bezieht. Das Projekt wurde seitens des Naturschutzzentrums bereits am 10. März 2010 beantragt (nur 111 Tage nach dem Ratsbeschluss zum Weiterbau der B67n) und Ende 2010 genehmigt. Das Naturschutzgebiet Uedemerbruch wurde erst 2011 eingerichtet und umfasst nach den eigenen Aussagen von Siegwart zu Eulenburg ca. 90% seiner Ländereien.

Je nachdem, welche Aussagen aus Politik und Verwaltung zitiert werden, wird durch den Bau der B67n eine Entlastung Uedems prognostiziert oder auch nicht. Fest steht, dass die L5n in absehbarer Zeit nicht gebaut werden wird und somit die einzig verbliebene Möglichkeit zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs die B67n bleibt.

Überregional betrachtet, ist der Bau des Teilabschnittes der B67n im Landkreis Kleve ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes B67n. Im Bereich Nord-Westfalen ist es durch eine Initiative der IHK Nord-Westfalen gelungen, einen für das wirtschaftliche Wachstum dringend benötigten Teilabschnitt der B67n fertigzustellen. Durch diesen Erfolg angespornt, wurde im Juli 2009 durch die Bürgermeister von Kalkar und Rees am Ende der B67-Ausbaustrecke in Kehrum eine Tafel aufgestellt, die mit den Worten "Nicht warten - Starten" den Bau der B67n fordert.

Der letzte Zug der LWU zur weiteren Verzögerung des Baus der B67n ist ein Thesenpapier vom November 2012 zum Thema "Ostvariante der B67n zwischen Kalkar-Kehrum und A57", die den Bau der B67n auf der bisher für die L5n geplanten Trasse als Westumgehung vorsieht. Der Bürgermeister von Uedem zeigte sich einer Pressemeldung (WAZ vom 27.12.2012) nach verärgert über diesen Versuch, das Verfahren für die B67n erneut aufzurollen und damit eine weitere, jahrelange Verzögerung das Bauvorhabens in Kauf zu nehmen. Der Bürgermeister hatte von diesem Vorstoß nur per Zufall erfahren.

Es bleibt festzuhalten, dass die LWU nicht als alleiniger Repräsentant der durch Verkehrslärm benachteiligten Einwohner von Uedem gesehen wird. Vor allem die Anwohner der Gustav-Adolf-Straße sehen die Verzögerungstaktik der LWU bezüglich der B67n als einzig verbliebene, realistische Chance zur Verkehrsreduzierung äußerst kritisch. Die LWU wird dagegen eher als eine, mit der SPD kooperierende Interessengruppierung der Landbesitzer aus Uedemerfeld und Uedemerbruch gesehen, denen die lokale Wahrung des Status Quo wichtiger ist als eine Entlastung der Stadtbewohner Uedems vom täglichen Verkehrslärm.

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